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14.03.2010

2. Selbstverständnis eines kulturellen, künstlerischen, politischen und sozialen Zentrums

Das Hauptgebäude des Bethanien - mit seiner besonderen Geschichte und seiner zentralen Lage - ist hervorragend geeignet, ein Ort kultureller Bildung, gesellschaftlicher Mitgestaltung und neuer Diskurse zu sein. Gerade in Zeiten zunehmender Ungleichheit soll hier ein offener und öffentlicher Raum für selbstbestimmtes Leben und Arbeiten geschaffen werden.

Das enorme Potential an lokalen kreativen Initiativen sowie politischen und sozialen Projekten, die die gesellschaftliche Auseinandersetzung befördern, soll in das zukünftige Bethanien eingebunden werden. So entsteht ein Ort des emanzipativen Diskurses, der kreativen Kultur und der öffentlichen Debatte, ein Ort der Kooperation zwischen den Kulturschaffenden unterschiedlicher Sparten und anderen vielfältig engagierter Menschen. Die Verschränkung der künstlerischen, kulturellen, sozialen und politischen Angebote, bedeutet einen Zugewinn für alle beteiligten Aktivitäten und eröffnet neue Spielfelder und Möglichkeiten, bietet Raum für experimentelle Zugänge und neue Wege.

So entstehen Synergien, ein inhaltlicher Austausch, gemeinsames Erarbeiten von Themen in Kooperation ist möglich.

Projekte sind einerseits autonom, andererseits mit dem Gesamtkontext verknüpft. Auch in den Bereichen Förderung und Finanzierung entstehen neue Möglichkeiten und Kapazitäten. Letztendlich liegt in der gemeinsamen Verortung etwa einzelner Bereiche von Kunst und Kultur (z. B. Bildende Kunst, Musik, Film, Theater), verknüpft mit Kunstvermittlung mit soziopolitischen Themen (z.B. dem Bereich Umwelt und neue Technologien), eine fundamentale kreative Kraft. Eine derartige Bündelung von Inhalten und Formen, zwischen Eigenverantwortung und Vernetzung, ist einzigartig in Berlin und besitzt Modellcharakter.

Das Bethanien als Ort der künstlerischen, kulturellen, politischen und sozialen Produktion, Vermittlung und Diskussion erscheint heute nicht als Utopie, sondern als zu verwirklichende Vision.

2.1 Grundprinzipien des zukünftigen Bethanien

1. Das Bethanien ist ein Ort der kulturellen, künstlerischen, politischen und sozialen Produktion, Vermittlung und Auseinandersetzung

Das Hauptgebäude des Bethanien Komplexes ist zu einem offenen Zentrum der Kultur, der Kunst, des sozialen und politischen Lebens zu entwickeln.

2. Das Bethanien ist ein Haus des gleichberechtigten Miteinanders der NutzerInnen zwischen Autonomie, Vernetzung, Integration und Selbstverwaltung

Die unabhängigen und selbständigen Projekte und Institutionen sind Teil einer netzwerkartigen, hierarchiefreien Selbstverwaltungsstruktur. Diese trägt wesentlich zur Kooperation und Synergie zwischen den einzelnen Projekten bei, unterstützt interdisziplinäres Zusammenarbeiten zwischen den einzelnen Bereichen und ermöglicht die Umsetzung der Vision eines lebendigen Bethaniens mit großen und kleinen, bestehenden und neuen Projekten, langfristiger und temporärer Nutzung, zwischen Kontinuität und Spontanität.

3. Das Bethanien ist ein "Bethanien für Alle", als Ort der Partizipation und Teilhabe

Das Bethanien steht allen AnwohnerInnen und Interessierten zur aktiven und passiven Teilhabe offen. Ein im Bethanien einzurichtendes EinwohnerInnenforum bietet öffentlichen Raum, um Ideen umzusetzen, die lokale Vernetzung von Initiativen voranzutreiben und die Nutzung des Bethanien-Hauptgebäudes mitzugestalten.

4. Das Bethanien ist ein Ort grenzüberschreitender Kommunikation

Das Bethanien ist ein Ort des Austausches, der unterschiedliche Bezüge und Kontexte von lokal über regional bis global ermöglicht, eine Plattform für milieuübergreifende Diskussionen, transkulturelles Lernen und überraschende Momente. Das Bethanien ist ein Ort von arm und reich, von Wissenschaft und Praxis, von jung von alt, von Kunst und Theorie, von Produktion, Beschreibung und Vermittlung - jenseits von gender und mainstream.

5. Das Bethanien ist ein Ort emanzipatorischer gesellschaftlicher Veränderung

Das Bethanien ein Ort der Politik von unten, der Politik für Freiheit und Selbstbestimmung, für eine gerechte und ökologische Weltwirtschaft, Unabhängigkeit der Kunst und für gewaltfreie Konfliktlösung. Das Bethanien ist ein Ort gegen das Leben in der sozialen Sackgasse, gegen soziale Vereinzelung und kulturelle Verödung.

6. Das Bethanien ist Schutz- und Freiraum

Alle im Bethanien tätigen Projekte und Institutionen arbeiten gemeinsam daran, einen möglichst weitreichenden Schutz vor Diskriminierungen jeder Art zu bieten, einen Ort zu schaffen, der Verschiedenheit ohne Angst ermöglicht. Ein spezieller geschützter Bereich für Frauenprojekte und frauenpolitische Themen gehört hier dazu.

7. Das Bethanien bleibt öffentlicher Raum

Öffentliche, für alle zugängliche und gestaltbare Räume sind ein wesentlicher Bestandteil von Lebensqualität, Teilhabe und sozialem Leben in einer demokratischen Gesellschaft. Das Bethanien bleibt als öffentlicher Raum erhalten und wird nicht privatisiert. Unter dem Dach eines gemeinnützigen Trägers verwaltet das Bethanien sich selbst.

 

Berlin Kreuzberg, August 2006

 

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