2. Selbstverständnis eines kulturellen, künstlerischen,
politischen und sozialen Zentrums
Das Hauptgebäude des Bethanien - mit seiner besonderen
Geschichte und seiner zentralen Lage - ist hervorragend geeignet,
ein Ort kultureller Bildung, gesellschaftlicher Mitgestaltung und
neuer Diskurse zu sein. Gerade in Zeiten zunehmender Ungleichheit
soll hier ein offener und öffentlicher Raum für selbstbestimmtes
Leben und Arbeiten geschaffen werden.
Das enorme Potential an lokalen kreativen
Initiativen sowie politischen und sozialen
Projekten, die die gesellschaftliche Auseinandersetzung
befördern, soll in
das zukünftige Bethanien eingebunden
werden. So entsteht ein Ort des
emanzipativen Diskurses, der kreativen
Kultur und der öffentlichen
Debatte, ein Ort der Kooperation
zwischen den Kulturschaffenden
unterschiedlicher Sparten und anderen
vielfältig engagierter Menschen.
Die Verschränkung der künstlerischen,
kulturellen, sozialen und politischen Angebote,
bedeutet einen Zugewinn für alle beteiligten
Aktivitäten und eröffnet neue Spielfelder und
Möglichkeiten, bietet Raum für experimentelle Zugänge und neue
Wege.
So entstehen Synergien, ein inhaltlicher Austausch, gemeinsames
Erarbeiten von Themen in Kooperation ist möglich.
Projekte sind einerseits autonom, andererseits mit dem Gesamtkontext
verknüpft. Auch in den Bereichen Förderung und Finanzierung
entstehen neue Möglichkeiten und Kapazitäten. Letztendlich liegt in
der gemeinsamen Verortung etwa einzelner Bereiche von Kunst und
Kultur (z. B. Bildende Kunst, Musik, Film, Theater), verknüpft mit
Kunstvermittlung mit soziopolitischen Themen (z.B. dem Bereich
Umwelt und neue Technologien), eine fundamentale kreative Kraft.
Eine derartige Bündelung von Inhalten und Formen, zwischen
Eigenverantwortung und Vernetzung, ist einzigartig in Berlin und
besitzt Modellcharakter.
Das Bethanien als Ort der künstlerischen, kulturellen, politischen
und sozialen Produktion, Vermittlung und Diskussion erscheint
heute nicht als Utopie, sondern als zu verwirklichende Vision.
2.1 Grundprinzipien des zukünftigen Bethanien
1. Das Bethanien ist ein Ort der kulturellen, künstlerischen, politischen
und sozialen Produktion, Vermittlung und Auseinandersetzung
Das Hauptgebäude des Bethanien Komplexes ist zu einem offenen
Zentrum der Kultur, der Kunst, des sozialen und politischen Lebens
zu entwickeln.
2. Das Bethanien ist ein Haus des gleichberechtigten Miteinanders
der NutzerInnen zwischen Autonomie, Vernetzung, Integration
und Selbstverwaltung
Die unabhängigen und selbständigen Projekte und Institutionen
sind Teil einer netzwerkartigen, hierarchiefreien Selbstverwaltungsstruktur.
Diese trägt wesentlich zur Kooperation und Synergie zwischen den einzelnen Projekten bei, unterstützt interdisziplinäres
Zusammenarbeiten zwischen den einzelnen Bereichen und ermöglicht
die Umsetzung der Vision eines lebendigen Bethaniens mit
großen und kleinen, bestehenden und neuen Projekten, langfristiger
und temporärer Nutzung, zwischen Kontinuität und Spontanität.
3. Das Bethanien ist ein "Bethanien für Alle", als Ort der Partizipation
und Teilhabe
Das Bethanien steht allen AnwohnerInnen und Interessierten zur
aktiven und passiven Teilhabe offen. Ein im Bethanien einzurichtendes
EinwohnerInnenforum bietet öffentlichen Raum, um Ideen
umzusetzen, die lokale Vernetzung von Initiativen voranzutreiben
und die Nutzung des Bethanien-Hauptgebäudes mitzugestalten.
4. Das Bethanien ist ein Ort grenzüberschreitender Kommunikation
Das Bethanien ist ein Ort des Austausches, der unterschiedliche
Bezüge und Kontexte von lokal über regional bis global
ermöglicht, eine Plattform für milieuübergreifende Diskussionen,
transkulturelles Lernen und überraschende
Momente. Das Bethanien ist ein Ort von arm und reich,
von Wissenschaft und Praxis, von jung von alt, von
Kunst und Theorie, von Produktion, Beschreibung
und Vermittlung - jenseits von gender und mainstream.
5. Das Bethanien ist ein Ort emanzipatorischer gesellschaftlicher
Veränderung
Das Bethanien ein Ort der Politik von unten, der Politik
für Freiheit und Selbstbestimmung, für eine gerechte und
ökologische Weltwirtschaft, Unabhängigkeit der Kunst und
für gewaltfreie Konfliktlösung. Das Bethanien ist ein Ort gegen das
Leben in der sozialen Sackgasse, gegen soziale Vereinzelung und kulturelle
Verödung.
6. Das Bethanien ist Schutz- und Freiraum
Alle im Bethanien tätigen Projekte und Institutionen arbeiten
gemeinsam daran, einen möglichst weitreichenden Schutz vor Diskriminierungen
jeder Art zu bieten, einen Ort zu schaffen, der Verschiedenheit
ohne Angst ermöglicht. Ein spezieller geschützter
Bereich für Frauenprojekte und frauenpolitische Themen gehört
hier dazu.
7. Das Bethanien bleibt öffentlicher Raum
Öffentliche, für alle zugängliche und gestaltbare
Räume sind ein wesentlicher Bestandteil
von Lebensqualität, Teilhabe und
sozialem Leben in einer demokratischen
Gesellschaft. Das
Bethanien bleibt als öffentlicher
Raum erhalten und
wird nicht privatisiert.
Unter dem Dach eines
gemeinnützigen Trägers
verwaltet das
Bethanien sich selbst.
Berlin Kreuzberg, August 2006
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