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14.03.2010

Was wir wollen

Die soziale Situa­tion in SO 36 ist durch hohe Erwerbslosigkeit und unterdurchschnittliche Einkommen geprägt. Die gestiegenen Kosten für öffentliche Dienstleistungen drücken auf die Lebensbedingungen (Kinderbetreuung, Schwimmbäder, kein BVG-Sozial-Ticket, das den Namen verdient u.a.). Armut ist dabei weit mehr als nur Geldmangel. Armut versperrt den Menschen den Zugang zu Bildung und Kultur und vielem an­deren und betrifft heute in erschreckendem Ausmaß vor allem Kinder und Jugend­liche. Wir wollen und werden nicht hinneh­men, dass für immer mehr Menschen die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben unmöglich wird.

Und nicht nur Kreuzberg und Berlin haben sich verändert und verändern sich weiter; auch die Gesellschaft insgesamt befindet sich im Wandel! Wir sehen ein zentrales Problem unserer Gesellschaft in ihrer Fixierung auf die Lohnarbeit. Das führt dazu, dass die durch Automatisierung verringerte Arbeitsmenge immer erbitterter umkämpft wird. Nur um ein Abwandern der Arbeitsplätze nach Portugal zu verhindern, erklärten sich etwa VW-Arbeiter mit einer 20%igen Lohnkürzung einverstanden! Statt es einfach lockerer anzugehen, und die weniger werdende Arbeit auf viele Schultern zu verteilen, prügeln wir uns um Arbeit, bis nur die Stärksten überleben und die Löhne gegen Null gehen. Und dann werden wir feststellen, dass aufgrund der gesunkenen Kaufkraft die Arbeit weiter schwindet. Gegen diesen Mechanismus setzen wir eine andere Sichtweise, in der das Zentrum unseres Lebens viel stärker in den Dingen liegt, die wir selbstbestimmt und kreativ außerhalb der Kommandowirtschaft in Angriff nehmen - Seien sie nun politischer, sozialer oder künstlerischer Natur. Um das zu verwirklichen sind Räume notwendig, die bezahlbar sind und dadurch von Vielen genutzt werden können. Diese Räume gibt es im Bethanien!

Schon einmal war um das Bethanien erfolgreich gekämpft worden - seinerzeit gegen den Abriss. Bereits 1971 besetzten arbeitslose Jugendliche, Obdachlose, StudentInnen und Künst­lerInnen das ehemalige Schwesternwohnhaus. Protest und Widerstand der Bevölkerung verhalfen zu der Einsicht, wie wertvoll ein solcher Ort für die Menschen und die Entwicklung des Kiezes ist. Es entstand ein über die Grenzen Berlins hinaus bekanntes Zentrum für Soziales, Kultur und Kunst.

Vor wenigen Jahren befanden sich noch 32 Initiativen im Bethanien. Dem Bezirksamt war dieser sogenannte "Gemischtwarenladen" jedoch nicht schick genug. Heute sind noch die Musikschule, die Räume des Kulturamts (Kunstraum und Fontane-Apotheke), die Druckwerkstatt des BBK und die Künst­lerhaus Bethanien GmbH verblieben. Dem Jugendsportclub, der intensiv für Orientie­rung und Stabilität der Kids arbeitet, und der Kita, die seit den siebziger Jahren im Bethanien ist, drohen kurzfristige Kündigungen. Mitte Juni hat das zuvor geräumte Hausprojekt Yorck59 einen Teil der leerstehenden Gebäudeflächen besetzt. Im Südflügel, der bis zur Besetzung ungenutzt vor sich hin gammelte, finden heute wieder po­litische und kulturelle Veranstaltungen statt, an denen Interessierte zum Selbstkostenpreis teil­nehmen und mitmachen.

Erneuern wir mit Phantasie und Engagement die soziale Tradition des Bethanien!

Das Bethanien kann und soll eine wichtige Rolle im Bezirk spielen: für AnwohnerInnen, Berline­rInnen und darüber hinaus. Das Konzept eines BETHANIEN FÜR ALLE muß die bestehenden Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen.

Wir können die notwendigen Dinge des Lebens immer einfacher produzieren - streiten wir uns nicht um Arbeitsplätze, sondern kämpfen wir für ausreichend Zugang zu den Produkten und verbringen wir die frei werdene Zeit mit den netten und wichtigen Dingen des Lebens!

Die Reichen werden immer reicher und große Teile der Gesellschaft immer ärmer - kämpfen wir dagegen! Diese Entwicklung ist nicht das Ende der Gesellschaft.

Viele Menschen klagen über Vereinzelung und Isolierung - schaffen wir einen Ort, an dem wir die Vereinzelung überwinden, uns begegnen und gemeinsame Sachen machen.

Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere Formen der Diskriminierung sind alltäglich - organisieren wir uns, um dagegen vorzugehen, bieten wir Gruppen Platz, die dazu arbeiten, und schaffen wir einen Freiraum jenseits dieser Unterdrückungsstrukturen!

Die offizielle Kultur ist nur zu häufig einem engen Kreis von Privilegierten allein zugänglich - das ist nicht unser Verständnis von Kultur! Organisieren wir einen Ort der kulturellen und politischen Bildung, einen Ort, der Kultur, Kunst, Soziales und Politisches als notwendig zusammenhängend be­greift!




Flugblatt: "Bethanien für alle!"

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Einzelbeiträge zur Zukunft des Bethaniens

Claudia

Liebe VisionärInnen, in dem Versuch alles Mögliche an Gedanken in einer Vision zu formulieren, möchte ich meine Wünsche für das Bethanien kurzgesagt so zusammenfassen:

"Gemischtwarenladen für gesellschaftlichen und individuellen Emanzipationsbedarf"

Ich wünsche mir, dass in diesem "offenen Haus Bethanien" auch Menschen aufeinandertreffen, die sich sonst nur in sehr eingegrenzten Bereichen bewegen (dürfen) (können) (wollen).

Ein Leben in Schranken fördert eine Beschränktheit im Denken und Handeln und wird im schlechten Fall von Generation zu Generation weiter gegeben.
Jede Art der Beschränkung, geschehe sie aus Gründen von "Bildungsbürgertumdünkel", Tradition, Religion, Nationalität etc.pp., ist bezüglich dieser Auswirkungen egal. Mögliche Folgen sind unter Anderem die Herabsetzung Anderer z.B. in Form von Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und Sexismus.

Einen großen Unterschied macht es jedoch, ob Menschen sich diese Einengung selbst auferlegen oder dazu gezwungen werden. Gerade vor dem Hintergrund der Umgebung  des Bethanien denke ich hier besonders an viele Frauen und Mädchen aus Familien mit Migrationshintergrund.

Wirtschaftliche Armut und gesellschaftliche Chancenlosigkeit machen diese Schranken für viele Menschen noch enger und bedeuten oft ein Gefangensein in einem Leben, in welchem Würde und Selbstverwirklichung Fremdworte sind, oder auf sehr bedenkliche Art und Weise scheinbar zu verwirklichen gesucht werden, oft in Unterdrückung der gleichen Rechte Anderer.

Obgleich diese Werte zu den fundamentalen Menschenrechten zählen, auf welche sich die westlichen Gesellschaften ja so gerne beziehen, sind sie auch hier vielen Menschen verwehrt.

Der Versuch, sich dieser Werte auch für das eigene Leben zu bedienen endet für manche tödlich

Deshalb wünsche ich mir ein Bethanien, dass Menschen ermutigt und bestärkt, Wege für eine individuelle, gemeinsame und damit auch gesellschaftliche Emanzipation zu beschreiten. Um dies zu ermöglichen müssten Prozesse der Diskussion über gesellschaftliche Lebensvorstellungen und Werte initiiert werden, auch um einen Beitrag dazu zu leisten, dass Schritte der Befreiung nicht fatal enden. Bethanien könnte hier (um mit Wolfgangs Worten zu sprechen) ein Leuchtturm sein, um bestimmte Fragestellungen gerade auch im interkulturellen Bereich einmal auf den Tisch des Hauses (Berlin/BRD) zu packen und zwar nicht ausschließlich akademisch, wie dies vielerorts geschieht, sondern mit den Anwohnern. Die Arbeit der " Mütter ohne Grenzen" ist in dieser Hinsicht für mich beispielhaft.

Die Wege mit anderen Lebens- und Gedankenwelten in Kontakt zu kommen können sich vielfach gestalten. Voraussetzung für alles aber ist, dass gerade auch oben beschriebene Menschen ihren Weg in das Bethanien und dort zueinander finden. Deshalb sind meiner Meinung nach offene, unverbindliche Angebote wie z.B. ein Kiezcafe, internationale Kiezdisco, Theater für Kinder und Jugendliche, internationale Musikveranstaltungen, Ausstellungen und Lesungen usw. sehr wichtig.

Bei alledem muß das Bethanien aber ein Ort sein, der sich jeder Art von Herabsetzung Anderer entgegenstellt, ein Ort gegen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Nationalismus jeder Art





Jens

Eine Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen ist notwendig. Der Zustand der Welt ist absurd. Die Produktionsmöglichkeiten sind immens gestiegen, es wäre heute möglich, genug für alle zu produzieren auf der Welt, ohne miserable Arbeitsbedingungen und Zerstörung der Umwelt. Doch das ist nicht der Fall, keineswegs; die materiellen Möglichkeiten für einen Zustand von Frieden, Freiheit, Wohlstand für alle sind immer besser, wir leben jedoch in einer Welt geprägt von Ungleichheit, Unfreiheit, Unterdrückung, Kriegen, der Möglichkeit zum atomaren hundertfachen Overkill und katastrophaler Umweltzerstörung.

Geschichte geht nicht voran, und den Glauben habe ich verloren, aber nicht die Hoffnung. Im 17. und 18. Jahrhundert zeigte die Aufklärung die Chancen und Möglichkeiten einer friedlichen, vernünftigen, aufgeklärten Welt; das 20. Jhd. brachte den größten Massenmord der Geschichte durch die Deutschen.
1908 kämpften die Arbeiter in den Minen Boliviens erfolgreich um den Acht-Stunden-Tag; 2005 wird darüber geredet, die 44-Stunden-Woche wieder einzuführen, und der Widerstand dagegen ist fragmentarisch.

Wer über die Welt und ihre notwendige Veränderung redet, muß über die einzelnen Menschen reden. Die tatsächlichen Veränderungen der Welt verändern dabei den Menschen, und das vorerst nicht im Guten, wie das noch Marx glaubte. Die Zunahme von Ausbeutung, Unsicherheit und Unterdrückung, welche mit Kapitalismus - und insbesondere in dessen zyklischen Krisen - untrennbar verbunden sind, führen nicht automatisch zu einer Solidarität der Betroffenen. Vielmehr vernändern sich die Menschen in der Krise nicht automatisch zum Besseren, oft verschärft die Krise vielmehr die selbst ausgeübte Unterdrückung der von Unterdrückung betroffenen, aufgeklärtes Bewußtsein, die Sehnsucht selbst nach Selbstbestimmung, Frieden, Freiheit geht verloren.

Daraus folgen für mich verschiedene Dinge:

-  die Kampflinien sind nicht diejenigen von oben gegen unten, egal wie man diese Begriffe konkret fasst, sondern der Kampf um ein besseres System zur Verwirklichung bestimmter Begriffe: Freiheit ist dabei das zentrale Wort, das vieles andere einschließt: Wohlstand für alle, sexuelle Freiheit, persönliche Freiheit, Rechtssicherheit, Meinungsfreiheit, Möglichkeit des Anders-Seins. Der Kampf hierfür ist ein idealistischer - oft gegen die Tendenz der materiellen Entwicklung.

-  Im Kampf um die geschilderte Einrichtung der Welt geht es immer darum, Freiheit zu bewahren und zu erkämpfen - oft auch gegen die  von Unterdrückung selbst Betroffenen. Die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft geht allgemein dahin, Freiheit zu untergraben - gleichzeitig in den Köpfen und Herzen der in ihr lebenden Menschen und in der gelebten Wirklichkeit. Die Freiheit ist jederzeit in Gefahr, unter dir Räder der Geschichte zu geraten, und zwar nicht nur in der Wirklichkeit, sondern als Idee.

-  Der Kampf um die Freiheit ist ein langfristiges Geschehen. Es geht immer um die Qualität der freiheitlichen Position. Hieran bestimmt sich auch die Möglichkeit, mit anderen Menschen an der gleichen Sache zu arbeiten. Um es konkret zu machen: ich halte es für eher möglich, mit einem liberalen FDPler zusammenzuarbeiten, als mit einem Kreuzberger Arbeitslosen mit Migrationshintergrund, der Homosexualität als unmoralisch disqualifiziert.
Das hindert natürlich durchaus nicht daran, die Veränderung konkreter gesellschaftlicher Bedingungen zu fordern. Für den Schwarzen, der von Brandenburger Nazis zusammengeschlagen wird, ist die Ursache von deren Nazi-Position jedoch genauso irrelevant wie für den Juden, der in Kreuzberg beschimpft wird, die Ursache des Antisemitismus der Jugendbande mit
Migrationshintergrund, die ihn beschimpft. Den konkreten Erscheinungsformen die Freiheit unterdrückenden Denkens ist entgegenzuarbeiten. Hier ist nicht mehr Verständnis gefordert, sondern Distanzierung und Widerstand.

-  Es geht um Freiheit, und ich weiß, daß die Freiheit nicht morgen erreicht werden kann. Ich bin lieber in einer Gruppe von fünf Leuten, denen ich vertraue und von denen ich weiß, daß sie die Freiheit genauso schätzen wie ich, als in einer Gruppe von 5 Millionen, die gegen Bush demonstrieren, israelfeindliche Sprechchöre grölen, die Tatsache permanenter Angriffe auf Juden in Berlin und Deutschland nur 50 Jahre nach der Shoa ignorieren und sich ansonsten, wenn nicht gerade Bush in der Stadt oder Krieg im Irak ist, nicht besonders durch die Solidarität mit von Unfreiheit betroffenen hervortun.

Ich denke, aus dem obigen geht hervor, was ich konkret für das Bethanien möchte: ein offenes Zentrum der Freiheit.

Etwas länger geworden, hmm, und so runtergeschrieben; aber die wesentlichen Punkte dürften drin sein.





Simone

Die Verantwortung für die Generation(en) nach uns ist immens . Das was wir weitergeben, ist womit die nächste Generation ihre Welt sieht und die Zukunft baut. Und die Welt, die sich heute bietet, ist nicht unbedingt  dazu geneigt, Hoffnung und Zuversicht zu entwickeln. Da aber ein einzelner Mensch, und mag er seine Kinder noch so lieben, nicht die Welt ändern  kann, so bleibt nur im Kleinen in der Art zu wirken, wie es für das Ganze wünschenswert ist. Damit lebt man Kindern vor, dass es nicht darauf
ankommt, wie viel Geld oder Macht ein Mensch hat, um Veränderungen zu bewirken. Selbstbewusstsein stärken, nicht Machtlosigkeit beklagen. Freiheit im Denken fördern, nicht einschränken mit kann nicht/hab nicht.

Mangel, welcher Art auch immer, unterbindet eine gesunde Entwicklung. Also zeigen wir doch den Kindern bei Zeiten, dass sie selbst, durch das eigene Verhalten die Welt  verändern können und wie sie die Welt ändern können (oder besser: die Gesellschaft, denn die Welt ist eigentlich immer die gleiche). Sie sollen nicht denken, dass der Zustand der Welt, die sie erleben ein unveränderliches Naturgesetz ist. Das Handwerkszeug, das sie dafür brauchen sollen Kinder von Eltern, Schule, Gesellschaft zugleich bekommen. Will meinen: Auch der schicke Juppy um die Ecke, der in diese Welt, die nicht mal genug Luxus für ihn alleine bereit hält, höchstens dann Kinder in die Welt setzen würde, wenn keine anderen Spielzeuge mehr auf der Liste der Selbstverwirklichung stehen, auch der hat Verantwortung für die Kinder der anderen. Eine Gemeinde, eine Stadt, ein Land ebenso, wie die, die Kinder in die Welt setzen. Letztere haben das Privileg alleine zu entscheiden, wie sie ihren Nachwuchs großziehen wollen, aber sie dürfen nicht mit der Verantwortung und der Arbeit allein gelassen werden.

Um Kindern eine unabhängige Zukunft zu ermöglichen, brauchen Eltern irgendwas, womit sie den Lebensunterhalt in menschwürdiger Weise verdienen, andere Menschen, die ihnen unter die Arme greifen, wenn die Kraft ausgeht und geistige Nahrung, damit sie selbige weitergeben können. Wer Eltern fördert, ausdrücklich nicht nur mit Geld!, fördert den Nachwuchs.
Wer Geld hat, kann sich vieles kaufen, was es braucht um Kinder großzuziehen und dabei selbst glücklich zu sein. Nicht zuletzt Zeit. Wer kein Geld hat braucht dazu viel mehr Kraft, Phantasie und Ausdauer. Trotz aller schlauer PISA Studien, die Erkenntnisse mit sich bringen, wie "Kinder aus sozial schlechter gestellten Elternhäusern lernen schlechter" (hörthört!) usw. wird nach wie vor bei denen am meisten gespart und gekürzt, die sich trauen Kinder einfach in die Welt zu setzen, weil sie sie wünschen und nicht, weil sie durchgerechnet haben, ob sie sich diesen Luxus leisten können. Um nicht zu warten, bis die Misere so groß ist, dass auch die Verantwortlichen, also die Politiker, die anderer Leute Budget zusammenstreichen, merken, dass sparen am falschen Ende sich nicht ausgezahlt hat, d.h. zu warten bis die eigenen Enkel mal groß sind, hilft eigentlich nur eins: Sich zusammenschließen, gegenseitig helfen und eigene Strukturen aufbauen.

Und was hat das alles mit dem Bethanien zu tun?

Ich kann mir nicht helfen, mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich mich da umsehe. So schön gemischt und so harmonisch. So viel Platz und so viele Möglichkeiten. So schön grün und so gewachsen. Und teilweise auch richtig schön belebt. Was für ein Potential: Ein Riesengelände + gut erhaltene Häuser + Sportplätze + Spielplätze + Park! Und schon in der  Nachbarschaft angenommen, gewachsen. Keine Ahnung, aber wenn eine Stadt, an- bzw. aufgeregt durch die aktuelle Bildungsdebatte und randalierende Jugendbanden, auf die Idee käme, so ein Zentrum bräuchte sie, um ihre Zukunft zu sichern, um ihre Bewohner zu aktiver Mitgestaltung an der Stadt, zu sinnvoller (Frei-)zeitbeschäftigung und zu Selbsthilfe zu verhelfen: Wow, das  wäre ganz schön teuer so ein Teil zu bauen und zu beleben. Viel mehr würde es  kosten, als jemals mit einem kulturwirtschaftlichen Veranstaltungstempel eingenommen werden könnte. Gut, das wir hier so einen Platz für alle schon haben, egal woher sie kommen, welches Einkommen sie haben, wie alt sie sind. Dort sollen sich Menschen jeder Herkunft treffen können und voneinander lernen.





Hans

Hier kommt er schon, mein Versuch eines Grundkonzeptes fürs Bethanien:

Unsere zu Ende gehende Arbeitsgesllschaft beißt sich gegenwärtig an der (ausgehenden) Arbeit fest. Wachstum und Arbeitsplätze versprechen mehr oder weniger alle Parteien, obwohl alle doch wissen, daß das nicht funktionieren wird. Wachstum wohin? Wo doch die öffentlichen wie privaten Kassen schmäler werden und die Geldbesitzer lieber spekulieren oder ein weltweites Imperium für Milliarden zusammenkaufen wollen - um per Synergieeffekte weitere Arbeitsplätze einzusparen. Dagegen gilt festzuhalten: Es braucht zunehmend weniger Arbeitsstunden, um das Lebensnotwendige und weit darüber hinaus zu produzieren. Dies eröffnet die historische Chance, sein Leben in weit größerem Umfang selbstbestimmt zu gestalten, den Dingen nachzugehen, die wir als sinnvoll, wichtig, lustvoll erkennen und die wir deshalb um ihrer selbst willen verrichten wollen.
Es wäre natürlich völlig daneben, z.B. die Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen wollen, als Erziehungs"arbeit" zu deklarieren, entlohnen zu lassen und dann abhängig vom entsprechenden Lohngeber fremdbestimmen zu lassen.
Solch selbstbestimmter Lebensgestaltung sind wir weitgehend entwöhnt. Sie wird auch von interessierter Seite aktiv unterbunden d.h. sie verlangt  uns aktiven Widerstand ab. Sie braucht aber Räume. Und das ist es, worum  wir im Bethanien kämpfen. Ob das dann ein politischer Zirkel ist, Kunst oder eine selbstbestimmte KiTa, ist dazu nebensächlich. Wir kämpfen um eine Zukunft am Ende der Arbeitsgesellschaft.





Ruth

(aus einem Antrag an die Bewegungsstiftung)


Antrag auf Förderung des Projektes Neue Bündnisse

Die neoliberale Entwicklung schaffen eine existenzielle Entsolidarisierung der Gesellschaft, die auf den (kaum aufgearbeiteten) Erbschaften der deutschen Geschichte, eine Ver-schärfung autoritärer Tendenzen in der Bevölkerung befördert. Strukturelle Gewalt und medial geförderter Sozialdarwinismus schaffen eine Normalität, die vielfältige Diskriminier-ungen für verschiedenste Aktricen/eure immer mehr zum Alltag werden lässt.

Der Arbeitsmarkt ist so repressiv organisiert, das immer mehr Menschen ernsthaft psychisch erkranken unter dem Druck mitzuhalten. Unter der Maske vorgetäuschter Toleranz wird ein quasi lückenloser psychiatrischer Druck zur Anpassung per Psychopharmaka ausgeübt gleichzeitig mit Diskursen, die die Sozialsysteme als zu teuer und die nicht "normgerecht funktionierenden", oder per Diskriminierung ausgegrenzten, als Ballast dastehen lassen.

Schon seit langem fehlen breitere Bündnisse von Unten für umfassende Antidiskriminierungsgesetze, statt diese von Oben (EU oder Regierung) verordnet zu kriegen. Das von Rot Grün angedachte Gesetz war weitgehendst entschärft, bevor es die CDU Im Bundesrat zu Fall brachte. Aber 60 Jahre nach der Befreiung vom NS scheint aus der Sphäre der Politik kein wirksamer Impuls für emanzipative Gesellschaftsentwicklung denkbar, diese müssen als Bewegungen aus der Gesellschaft selber initiiert werden. Ansatzpunkte könnte zum Einen eine Debatte um strukturelle Gewalt durch antiquierte Normen und Geschlechterrollen durch eine repressiv-patriarchalische Arbeitsmarktpolitik sein, zum anderen eine weitere Phase der Auseinandersetzung und kulturellen Begriffsbildung zu den kollektiven Pathologien, die im NS zur "medizinisch" und "wissenschaftlich" organisierten "Vernichtung lebensunwerten Lebens" führten und wie diese mit der Übernahme rassistischer Überzeugungen verbandelt wurden.

Es geht nicht darum, akademische Diskurse im Elfenbeinturm zu führen sondern Politiken, die eine Wiederbelebung rechter Muster befördern muss gemeinsam als strukturelle Gewalt widersprochen werden! In Berlin wäre dies ein Weg zu einem Berliner Sozialforum, das den Namen verdient. Insbesondere eignet sich zu 2006 solche Bündnisse zu initiieren, da dies ein EU Jahr gegen Gewalt an Frauen werden soll. Diese Gewalt wird kaum weniger, wenn nicht NEUE BÜNDNISSE gegen die alte männliche Ernährer Rolle mit HARTZ IV zusammen aufladen wird (50 000 Männer ohne Alhi gegen 120 000 Frauen, wegen zu hohem Partner-einkommen ist deutlich). Die 30 Std. Woche für Alle und die Lohnsteuer für Automaten(-arbeitsplätze), sowie würdevolles Existenzgeld und Ehrenvolle Reichensteuer sind nur als Wahn hinstellbar, solange wir uns auseinanderdividieren lassen in der Jagd um rare Arbeits-plätze und eher krank werden, als solidarisch miteinander für Existenzbedingungen zu streiten unter denen wir zusammen stolz sein könnten eine interkulturelle Gesellschaft mit gleichen Rechten für alle - also ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz - gemeinsam erkämpft zu haben.

Für das Projekt möchten wir Bündnis, Lobbyarbeit und Kulturarbeit verbinden, um im Jahr 2006 eine Kampagne zum EU Jahr gegen Gewalt an Frauen mit eine, Queeren Ansatz zu Gewaltstrukturen durch Arbeitsmarktpolitik zu ermöglichen.

Konkrete Ansatzpunkte könnten sein:

  • Bewegungscafe im Casino des Bethanien, das von den verschiedenen Bewegungen und Beteiligten für Neue Bündnisse zusammen betrieben wird. Vom Bethanien her ist das der aktuellste Posten.
  • die vakant gewordene Organisation einer Neue Bündnisse Demo als Kreuzberger CSD 06
  • Theaterprojekt mit Judith Malina/Living Theater + Dorothea Bock zum Thema .......Die Wurzeln der Angst .....im Kapitalismus bzw. Menschwerdung gegen die heiligen Bücher : kein Leben ist lebensunwert ( oder so ähnlich) Im selbstverwalteten Sozialen Kulturzentrum Bethanien.
  • Die Diakonissen, die 33 das Bethanien Krankenhaus führten wehrten sich dagegen, dass NSDAP Funktionäre in die Leitung eingesetzt wurden. Inwieweit sich ihr Widerstand auch gegen das Euthanasie/T4 Programm erstreckte versuche ich gerade herauszukriegen. In diesem Falle wäre das Bethanien einsehr wichtiger symbolischer Ort für die Bewegung der Antipsychiatrie/Psychiatrie-Erfahrenen, insbesondere für solche Theaterprojekte. 1941 wurde das Bethanien von der Gestapo beschlagnahmt, vielleicht auch weil zuviel Widerstand darin stattfand ? Es gibt Kontakte zum Filmemacher der Resist gedreht hat und So das Living Theater kennt.

Weitere Zielsetzungen für die kommenden Jahre:

  • Gegen Repression durch 1 Euro Jobs: sozialer Druck auf Projekte, diese nur mit antirepressiven Kriterien zu praktizieren: höchstens 20 Std. +Mitbestimmung zur Ausrichtung der Tätigkeiten ermöglichen, sowie dass diese zur sozialen und politischen Vernetzung offiziell und selbstbestimmt genutzt werden können.
  • Antidiskriminierungsarbeit erweitern, bzw. Anlaufstellen für Diskriminierung aller spezifischen betroffenen Gruppen sensibel und funktions-/reaktionsfähig machen.

Die Ziele sind mittel- und langfristig ausgerichtet und rechtfertigen daher eine Projektförderung nach den Kriterien der Bewegungsstiftung.

Zur Ermöglichung dieser beantragen wir 7 000 Euro Projektförderung, die wir durch Spenden, Zusatzanträge bei Asten ( Neue Bündnisse Demo etc.) und andere Stiftungen Unterprojektbezogen ergänzen werden.

Dieser Betrag wird Kosten für Materialien, Aufwandsentschädigungen/Honorare (wenn nötig), Reisekosten und anderes enthalten, die momentan noch nicht aufschlüsselbar sind. Wir erhielten die Information über den Antragsschluss sehr kurzfristig und beantragen deswegen ad hoc. Wir bitten darum genauere Finanzrahmen nachreichen zu können. Der angegebene Betrag kann durch geeignete Kooperationen im Rahmen des Berliner Sozialforums Modifizierungen erfahren (durch Synergieeffekte , oder zur Hälfe erst in 06 akut werden).

Wenn genereller Zuspruch zur Förderwürdigkeit besteht, sind die genauen Planungen sicherlich im Rahmen eines potenziellen Betrages nachreichbar.